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  Diskreter Fortschritt

"Stichwort Mathematik: Unlust und Langeweile kommt hier für die meisten Schülerinnen und Schüler schon alleine beim Gedanken an den meist wenig anwendungsbezogenen, trockenen Unterricht auf."
02.06.2002 / A. Schreiber Presseinformation der VolkswagenStiftung, 25.04.2002


Eishauch

"Mehr Praxisbezug" – so die Forderung, die der VW-Stiftung 120.000 EUR wert ist, während noch "der Eishauch" von PISA 2002 durch deutsche Lande weht. Dafür dürfen wir uns am Projekt einer Integration der Diskreten Mathematik in den Schulunterricht wieder wärmen, zumal die "Grundlagen der Diskreten Mathematik leicht erlernbar sind", sich den Schülern (endlich einmal) "Fragestellungen mit unmittelbarem Alltagsbezug" bieten (z.B. die Idealtour für die Müllabfuhr oder die Frequenzzuweisung in Mobilfunknetzen) und "im Gegensatz zum mechanischen Üben … auch das entdeckende Lernen" gefördert wird.

Apropos Pisa. "Man jongliert (vor)schnell mit Lösungen …", bekommen wir da zu hören und erhalten in Gestalt der Presseinformation unter der gar trefflichen Überschrift Gar nicht diskret einen Denkzettel (der mir, ich gestehe es freimütig, viel Arbeit spart). Darin wird der staunenden, vom Eis noch halbstarren mathematikdidaktischen Fachwelt locker vorgeführt, wie man "beispielhaft Unterrichtssequenzen" samt "Lern-Softwareprogramm entwickelt", die Lehrerschaft durch Fortbildung für die "neue Didaktik" gewinnt und auch gleich dafür sorgt, dass "die Lehrpläne entprechend geändert werden".

Mülltonne 2002

Idealort für die diskrete Aufbewahrung vorschneller Lösungen

Bandbreite

Für pädagogische Projekte höchst ungewöhnlich: Schon vor Beginn des Vorhabens zeigt sich ein erster Erfolg in der Einstellung von Schülerinnen und Schülern, die in Bezug auf das Fach Mathematik meistens "Unlust und Langeweile" empfinden. Immerhin. Demgegenüber lag die früher festgestellte "Bandbreite der Empfindungen während des Unterrichts"– so der ursprüngliche Wortlaut – noch "irgendwo zwischen Mordlust und Langeweile".

Keine Sorge, das schlagartig verarmte kindliche Seelenleben kann durch Zuführung von Spaß wieder aufgepäppelt werden. Allerdings, der "Spaß am Fach" – wen wundert's – ist "bei vielen längst verschütt gegangen". Nicht aber der Spaß im Kino! Dort zeigt sich beispielweise "das Interesse der Schüler", wenn sich Computertheoretiker Alan Turing (Enigma) und Spieltheoretiker John Nash (A Beautiful Mind) beim Lösen ihrer Probleme in die Karten schauen lassen. "Und die Kids sind begeistert". – Na bitte!