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  "Mathematik. Eine griechische Vorstellung.

Löst das Problem des besten Urlaubsorts. Beispiel: 15030 km an Küsten × 17 Stunden Sonnenschein pro Tag = 14 Tage hier."
14.07.2002 / A. Schreiber Griechische Zentrale für Fremdenverkehr
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O Griechenland! Was haben wir dieser Wiege Europas nicht alles zu verdanken? Gewiss eine rhetorische Frage angesichts Zeus, Odysseus, Alexis Sorbas, Pita Gyros und schöner Helena. Nicht zu vergessen die Olympischen Spiele, edler Wettkampf antiker Jungmänner. Übrigens kehren die Spiele "an den Ort ihres Ursprungs zurück": Athen 2004. Das trifft sich gut, denn so können meine Frau und ich rechtzeitig vorher noch einmal Urlaub machen in dem Land, das schon Iphigenie auf Tauris mit der Seele suchte. Als würde das nicht genügen, lieferte jüngst die für Deutschland zuständige Fremdenverkehrsdirektion ein Argument, das allen graecophilen Seelensuchern die Sandalen ausziehen dürfte: Mathematik. – Ausgerechnet Mathematik ! (sozusagen)

Griechenland. Mit Worten nicht auszudrücken. Griechische Zentrale für Fremdenverkehr. Werbeanzeige 2002

Ja, auch sie ist (nebst Philosophie) ein griechisches Erzeugnis, ein altgriechisches, wie wir fairerweise präzisieren wollen. Wer gedacht hat, nach dem Abi würde Archimedes nie wieder aus der Badewanne springen und Pythagoras für immer und ewig verbannt bleiben – nun, der hat sich eben geirrt. Die Mathematik hat eine weltweite Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht: zwar nicht im Klassenzimmer, wohl aber im wirklichen Leben, für dessen reibungslosen Ablauf sie unentwegt Probleme löst. Optimierungsprobleme wie das "des besten Urlaubsorts" gehören in unseren Tagen dazu.

Offenbar kehrt also auch die Mathematik, noch vor den Olympischen Spielen, an den Ort ihres Ursprungs zurück. Das Ergebnis ist sensationell: eine spaziotemporale Gleichung, die es – wie wir gleich sehen werden – locker mit Einsteins E-gleich-Em-Zeh-Quadrat aufnehmen kann:

15030 km an Küsten × 17 Stunden Sonnenschein pro Tag = 14 Tage hier

Betrachten wir diese harmlos daherkommende Zeile etwas genauer: 15030 km multipliziert mit 17 Stunden ergeben zunächst einmal 255510 Kilometer-Stunden (kmh) . Vorsicht! Wer jetzt an 'Stunden-Kilometer' denkt und meint, es handele sich um eine Überschreitung der in Athen zulässigen Höchstgeschwindigkeit, hat im Physikunterricht nicht richtig aufgepasst. Hier werden ja eine Länge und eine Zeit miteinander multipliziert, während die Geschwindigkeit doch als Verhältnis von Länge zu Zeit (etwa km pro Stunde) definiert ist. Zudem ist noch der Zusatz "pro Tag" zu berücksichtigen – am ehesten wohl so, dass durch 24 Stunden (= 1 Tag) dividiert wird. Auf diese Weise werden aus 255510 Kilometer-Stunden schließlich wieder brave 10646,25 km. Insgesamt erhalten wir so die Gleichung: 10646,25 km = 14 Tage. (Um ganz genau zu sein: Der Faktor "hier" rechts vom Gleichheitszeichen sowie das Produkt "Sonnenschein" × "an Küsten" links vom Gleichheitszeichen bedeuten wohl dasselbe, nämlich den Urlaubsort Griechenland, und lassen sich daher weggkürzen.) Wenn man nun noch beachtet, dass 1 Kilometer aus 1000 Metern, 1 Tag aus 24 Stunden und 1 Stunde aus 3600 Sekunden bestehen, so ergibt sich die folgende Umrechnung von Sekunden (s) in Meter (m):

1 s = 8,801463293650794 m

Das muss als wahrhaft revolutionär angesehen werden. Einmal wegen der darin zum Ausdruck kommenden Identität von Zeit und Länge und der unabsehbaren Konsequenzen, die dies für die Physik hat. Dann aber auch wegen der Möglichkeit, die gewöhnliche (unbenannte) Einheit, die ganze Zahl 1, als eine Geschwindigkeit (8,801463293650794 m/s) auszudrücken. Zahlen sind also nichts anderes als Geschwindigkeiten? Eine ebenso alte wie leidige Frage der mathematischen Grundlagenforschung wäre damit vom Tisch (ganz zu schweigen von der speziellen Relativitätstheorie, deren Annahme, die Lichtgeschwindigkeit im leeren Raum sei die obere Grenze der Geschwindigkeit, mit der sich irgendeine Wirkung ausbreiten kann, schon deshalb zu Fall käme, weil es Zahlen beliebiger Größe gibt).

Natürlich müssen sich die Neugriechen die Frage gefallen lassen, welche Überlegungen und Messungen eigentlich zu der Ausgangsgleichung geführt haben. Hier bestehen noch einige Unklarheiten. Wir wollen, trotz gelegentlich sich aufdrängender Verdachtsmomente, einmal unterstellen, dass diesmal Pisa nicht mit im Spiel ist. Vielmehr soll – einer unbestätigten Meldung zufolge – die Marketingabteilung die Begriffe "Sonnenschein" und "Sonnenstich" verwechselt haben. Leserinnen und Leser, die sich für die näheren Einzelheiten interessieren, seien auf die offizielle Website der Greek National Tourism Organization verwiesen.