© Alfred Schreiber | 2003-05-16

«Faîtes votre jeu!» — Materialien zum Roulett


Die folgenden Materialien sollen Gelegenheit geben, das Roulett-Spiel (in der Theorie) kurz und bündig kennenzulernen. Bei seiner Erfindung soll der große französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal (1623-1662) Pate gestanden haben. Mit einem gewissen Recht betrachten viele das Roulett— von fr. la roulette = "Rolle"— als Königin der Glücksspiele oder zumindest als "königliches Spiel". Zum einen hat das mit dem gesellschaftlichen Glanz eleganter Spielcasinos von ehedem zu tun, auch mit den zahllosen Sensationsgeschichten von großen Coups und tragischem Ruin. Zum anderen bietet das Spiel aber Gewinnchancen, mit denen die bekannten Lotterien und beliebten Totalisator-Spiele (wie Zahlenlotto, etc.) nicht im Entferntesten konkurrieren können. Das soll selbstverständlich keine Werbung sein; es entspricht vielmehr der Erfahrung und den Ergebnissen der mathematischen Analyse.


Die Roulett-Maschine

Es handelt sich um einen kreisrunden Kessel mit 37 Fächern für die "roten" oder "schwarzen" Zahlen 1 bis 36 sowie (in eigener Farbe) 0, genannt Zero:

Bei der Herstellung und bei der Aufstellung der Maschine ist mit größtmöglicher Sorgfalt auf physikalische Symmetrie zu achten. Für die kleine Kugel, die im rotierenden Kessel hin und her springt, muss jedes der 37 Fächer gleichwahrscheinlich sein.


Das Tableau

Auf dem klassischen Roulett-Tisch befinden sich zwei Tableaus, dazwischen die Roulett-Maschine. Das hier abgebildete Tableau zeigt die Anordnung der Zahlen bzw. der übrigen Spielfelder (sog. Chancen) samt der mit ihnen verbundenen Satzmöglichkeiten. Die in der Spalte "Gewinnzahlung" angegebenen Vervielfacher sind Nettoquoten zu den jeweiligen Ausgängen bzw. Ereignissen.


Permanenzen

Roulett-Maschinen produzieren weltweit und Tag für Tag authentische Zufallszahlen. Die Casinos protokollieren alle Ausfälle an sämtlichen Tischen in fortlaufenden Listen, sog. Permanenzen. Spieler (vor allem solche, die sich als "Profis" verstehen oder vermeintlich "todsichere Gewinnsysteme" ausprobieren wollen) benutzen dieses Material zu Simulationszwecken.

Hier ist eine Original-Permanenz aus dem Casino Travemünde von Sonnabend, dem 5. August 1967. Das Protokoll stammt von Tisch 1:


Sensationen

Roulett ist ein reines Glücksspiel, bei dem ein Spieler schnell großes Geld machen, aber ebenso schnell auch wieder verlieren kann (samt Haus und Hof dazu). Es wundert also nicht, dass immer wieder spektakuläre Dinge aus den Casinos gemeldet werden. Natürlich ist das Publikum immer dann besonders interessiert, wenn es jemandem gelungen ist, die Bank zu "sprengen" oder jedenfalls außerordentliche Gewinne (womöglich noch in Serie) zu erzielen.

Wie ist so etwas möglich? — Bekanntlich ist Fortuna ein launisches Wesen, will sagen: Bei einem Zufallsversuch können eben auch sehr seltene Ereignisse tatsächlich einmal auftreten. Allerdings haben verdächtig lang anhaltende Glückssträhnen meist ihre physikalischen Gründe, z.B. in einer geringen Schieflage des Kessels oder anderen Unregelmäßigkeiten der Maschine. Spielbank und Spieler (jeder aus anderen Gründen) sind ständig auf der Suche nach solchen 'kleinen' Ursachen mit möglicherweise großer Wirkung. Entdeckt ein Spieler sie zuerst, kann er daraus seinen Nutzen ziehen. Allerdings hat die Casinoleitung das Recht, in Verdachtsfällen vorsichtshalber einem Spieler Hausverbot zu erteilen.