Grundzüge der Mathematikdidaktik © Prof. Dr. Alfred Schreiber

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Kontexte für entdeckendes Lernen


 


Kontexte: Anregungen zur Eigentätigkeit

Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht lebt von anregenden, herausfordernden Sachsituationen. Die im folgenden beschriebenen Kontext-Beispiele – ausnahmslos zu bekannten, klassischen Themen – bilden eine in dieser Hinsicht ergiebige Quelle. Die Art der Darbietung richtet sich an einen erwachsenen Adressaten; dabei wird das Material absichtlich knapp beschrieben, und viele der aufgeworfenen Fragen bleiben dem Studierenden zur Beantwortung überlassen. So bleibt die Gelegenheit, sich auf eigene Faust mit der Sache zu beschäftigen, persönliche Interessenschwerpunkte zu entwickeln, neue Fragen zu erfinden und den Stoff später immer wieder einmal vorzunehmen.

Nur wer für sich ein aktives Verhältnis zu diesen oder ähnlichen Themen entwickelt und sie gleichsam "von innen her" sieht, kann hoffen, damit im Unterricht erfolgreich zu sein.

Die vorgestellten Kontexte eignen sich in hohem Maße für entdeckendes Lernen: Sie beruhen auf einfachen, im Prinzip vertrauten und leicht fasslichen Strukturen, z.B. Figuren aus Plättchen, Karomuster, Vielecke. Zugleich bergen sie eine beachtliche Fülle von Beziehungen, die es erst einmal zu erforschen gilt. Einige Themen, wie Punktmuster und Quadratgitter, erlauben über weite Strecken eine enge Wechselwirkung von geometrischen und arithmetischen Aspekten, von Form und Zahl. Nicht selten bieten die Kontexte zusätzlich reichhaltige Übungsmöglichkeiten.


 

Punktmuster

Figuren und Muster, die man auf ebener Unterlage aus Plättchen legen kann, sind ein seit alters her bewährtes Darstellungsmittel für die natürlichen Zahlen. Vom lateinischen calculus (= kleiner Kalkstein) leiten sich die Wörter "Kalkül" und "kalkulieren" ab. Das Material ist einfach, homogen und geeignet für handlungsgebundenes Lernen; es kann bereits im Unterricht der Grundschule gewinnbringend eingesetzt werden [vgl. dazu etwa Müller/Wittman 1978, S. 215-221].

Die Folge der natürlichen Zahlen 1, 2, 3, ... erscheint in der einfachsten Gestalt als fortsetzbare Reihe (Zeile) von Plättchen:

                             

Das Addieren und Subtrahieren so dargestellter Zahlen geschieht durch Anhängen zweier Reihen oder Wegnehmen von Endstücken.

Die hier gelegten 15 Plättchen können auch anders angeordnet werden, z.B. als ein Rechteck, welches das Produkt 3 × 5 veranschaulicht:

         
         
         

Dieses Rechteck stellt das Produkt 5 × 3 dar:

     
     
     
     
     

Die Anzahl der Plättchen hat sich hierbei nicht geändert. Das entspricht dem Kommutativgesetz der Multiplikation.

Aufgabe: Eine gegebene Zahl soll auf möglichst viele Arten als Rechteck gelegt werden.

Wird diese Aktivität offen und aufmerksam angegangen, ergeben sich eine Reihe von Fragen bzw. Beobachtungen, zum Beispiel:

Damit hat man einen natürlichen Zugang zu den Begriffen Teiler (direkt in Verbindung mit Komplementärteiler), Primzahl, Quadratzahl und zur Division mit Rest.

Aufschlussreich ist der Entstehungsprozess figurierter Zahlen. Zum Beispiel kann man sich ein Quadrat wie folgt entstanden denken: Es wird 1 Plättchen hingelegt (grün), dann ein Winkel aus 3 Plättchen angelegt (rot), dann ein Winkel aus 5 Plättchen (grün), usw.:

         
         
         
         
         

Die Summe der ersten aufeinanderfolgenden ungeraden Zahlen ist demnach eine Quadratzahl:

1 + 3 + 5 + ... + (2n–1) = n2

Welche anderen Figuren könnte man als Punktmuster legen? (Variation der Darstellung)
Naheliegend sind Dreiecke, aber auch Vielecke höherer Eckenzahl (5, 6, ...).

Ein Dreieck kann man nach Art einer Pyramide von unten nach oben aufbauen, z.B. zur Zahl 10 = 4 + 3 + 2 + 1 (dem im pythagoräischen Orden als "heilig" angesehenen Tetraktys):

 
   
     
       

Ein rechtwinkliges Dreieck entsteht, wenn man linksbündig untereinander 1, 2, 3, usw. Plättchen hinlegt:

 
   
     
       

Die Dreieckzahlen dn sind demnach die Summen der ersten n natürlichen Zahlen: dn = 1 + 2 + ... + n.

Fragen:

Ein interessantes Ergebnis erhält man durch Zusammenschieben zweier gleichgroßer Dreiecke:

           
           
           
           
           

Offensichtlich entsteht so durch die Addition dn + dn ein Rechteck aus n(n + 1) Punkten:

Ein schönes Problem ergibt sich aus der Variation der Dreieckzahlen. Ist eine Zahl nicht in der Form 1 + 2 + ... + n darstellbar, so vielleicht doch als Trapezzahl, d.h. Summe aufeinanderfolgender Zahlen m + (m+1) + ... + n. Zum Beispiel ist 18 keine Dreieckzahl, kann aber als 5 + 6 + 7 dargestellt werden. Das zugehörige Punktmuster sieht aus wie ein Trapez:

         
           
             

Für welche Zahlen gibt es eine solche Darstellung? Die ungeraden Zahlen gehören zu ihnen. Warum? Zu einigen Zahlen, z.B. 15, gibt es sogar mehrere Trapeze. Wie viele sind es, und wovon hängt diese Anzahl ab? Die Antwort wurde im 19. Jahrhundert von J. Sylvester gefunden und lautet: Die Anzahl der Trapezdarstellungen einer Zahl stimmt mit der Anzahl ihrer ungeraden Teiler überein.– Eine Aufarbeitung dieses Themas für den Unterricht im 5.-8. Schj. findet man in [Winter 1991, S. 155-158].

Mehr und Merkwürdiges über figurierte Zahlen (Punktmuster), auch in drei Dimensionen, bietet Conway/Guy 1997.


 

Zahlenfelder

Unter Zahlenfeldern sind hier figurierte Anordnungen (Dreiecke, Rechtecke usw.) von Zellen zu verstehen, in die Zahlen eingetragen werden. Zwischen diesen Einträgen bestehen bestimmte Relationen. Wir betrachten einige einfache Beispiele: Rechenpyramiden, Pascal-Dreieck, Hundertertafel, Einmaleinstafel.

Rechenpyramiden

werden von unten nach oben aufgebaut. In der ersten (untersten) Zeile stehen irgendwelche Zahlen; darüber liegt eine Zeile, deren Einträge als Operationsergebnis (Summe, Differenz, Produkt, etc.) der beiden tieferliegenden Nachbarn bestimmt sind, usw. Die folgende Pyramide entsteht durch Summenbildung ausgehend von den ungeraden Zahlen unter 10:

80

32

48

12

20

28

4

8 12 16
1 3 5

7

9

Eine Vielzahl von Fragen (und Variationsmöglichkeiten) bieten sich an, zum Beispiel:

Schüler können eigene Fragen erfinden und die entsprechenden Pyramiden rechnen. Interessant sind Übungen, in denen eine Pyramide aufgefüllt werden soll, in der statt der Grundreihe die darüberliegende Reihe oder irgendwelche anderen Einträge bekannt sind:

68

 

 

 

 

 

 

9    
     

 

 

Kann man diese Pyramide symmetrisch auffüllen? Kann man sie so (unsymmetrisch) auffüllen, dass in der Grundreihe die Zahlen von links nach rechts größer werden oder sogar unmittelbar aufeinander folgen? Man denke sich weitere Variationen und Fragen aus.

Pascal-Dreieck

Bei einer Zahlenpyramide mit der Grundreihe 0-0-1-0-0 entsteht das bekannte Pascal-Dreieck. Die sich nach oben hin verjüngende Pyramide lässt dem in entgegengesetzter Richtung wachsenden Dreieck nicht genügend Platz. Es ist daher günstiger, die 1 an die Spitze zu setzen und von oben nach unten zu rechnen:

1
1 1
1 2 1
1 3 3 1
1 4 6 4 1
1 5 10 10 5 1
1 6 15 20 15 6 1

Dieses (schon in Rechenbüchern des alten China nachgewiesene) "arithmetische Dreieck" steckt voller bemerkenswerter Eigenschaften. Hier einige Fragen, die zu näherer Beschäftigung mit dem Thema einladen sollen:

Hunderter-Tafel

Das quadratische Feld aus den ersten 100 natürlichen Zahlen ist ein hervorragendes Veranschaulichungs- und Rechenhilfsmittel (2. Schuljahr):

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
31 32 33 34 35 36 37 38 39 40
41 42 43 44 45 46 47 48 49 50
51 52 53 54 55 56 57 58 59 60
61 62 63 64 65 66 67 68 69 70
71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
81 82 83 84 85 86 87 88 89 90
91 92 93 94 95 96 97 98 99 100

In dieser (vielleicht auf den ersten Blick langweilig wirkenden) Struktur lassen sich interessante Beobachtungen machen:

Aufgabe: Nach und nach sollen die echten Vielfachen gestrichen (hier: grau unterlegt) werden, zunächst von 2, 3, 5, usw. (einige Zahlen werden mehrfach gestrichen – welche?):

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
31 32 33 34 35 36 37 38 39 40
41 42 43 44 45 46 47 48 49 50
51 52 53 54 55 56 57 58 59 60
61 62 63 64 65 66 67 68 69 70
71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
81 82 83 84 85 86 87 88 89 90
91 92 93 94 95 96 97 98 99 100

Die Vielfachen von 7 ("Siebenerzahlen") wurden hier noch nicht alle gestrichen. Welche können nur übrig geblieben sein? Nachdem auch diese gestrichen sind, bleiben noch die Primzahlen bis 100 (ausgenommen 1, die keine Primzahl ist). Dieses Siebverfahren stammt von dem griechischen Universalgelehrten Eratosthenes, der im 3. Jahrhundert v. Chr. der berühmten Bibliothek von Alexandria vorstand.

Einmaleins-Tafel

Die Einmaleins-Tafel ist eine Tabelle mit allen Multiplikationsergebnissen a×b für ganze Zahlen a und b zwischen 1 und 10. In ihr steckt eine Fülle von einfachen, aber auch von raffinierteren Mustern.

· 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
2 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
3 3 6 9 12 15 18 21 24 27 30
4 4 8 12 16 20 24 28 32 36 40
5 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50
6 6 12 18 24 30 36 42 48 54 60
7 7 14 21 28 35 42 49 56 63 70
8 8 16 24 32 40 48 56 64 72 80
9 9 18 27 36 45 54 63 72 81 90
10 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Hier einige Fragen zur Aufschließung des Themas:

Interessantes ergibt sich beim Aufsummieren spezieller Felder, z.B. des (hier gelb) hervorgehobenen "Winkels":

5 + 10 + 15 + 20 + 25 + 20 + 15 + 20 + 5 = 5 · (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 4 + 3 + 2 + 1)

In der Klammer steht – nach dem, was wir schon über Punktmuster wissen – das Quadrat von 5, der betreffende Winkel hat also die Summe 5 · 52. Das gilt natürlich auch allgemein: Die Summe der Zahlen im n-ten Winkel ist die n-te Kubikzahl ("Würfelzahl").

Was passiert, wenn wir alle Winkel der Einmaleins-Tafel zusammenzählen? Das Ergebnis ist dann die Summe der ersten 10 Kubikzahlen. Da in den Winkeln genau die Zahlen der Einmaleins-Tafel vorkommen, findet man:

(1 + ... + 10) · (1 + ... + 10) = (5 · 11) · (5 · 11).

Dies lässt sich direkt zu der schönen Formel verallgemeinern:

kubiksum.gif (1401 Byte).

Wer weitere Information und Anregungen zum Thema Zahlenfelder sucht, wird fündig bei Conway/Guy 1997, Kroll 1988, Radatz/Schipper 1983, Winter 1991.


 

Quadratgitter

Quadratische Gitter kennt man von kariertem Papier, vom Schachbrett oder von bestimmten Stadtplänen mit rechtwinklig kreuzenden Straßenzügen (Manhattan, Buenos Aires, in Deutschland am ehesten Mannheim). Die Gitterstruktur entsteht durch die Einheitsstrecken (Maschenweite, Blocklänge) und die Gitterpunkte (Geradenschnittpunkte, Kreuzungen). Man kann einen Punkt als Ursprung (0,0) auszeichnen und verfügt sofort über ein rechtwinkliges (ganzzahliges) Koordinatensystem.

Quadratgitter bergen eine unerschöpfliche Fülle von Aspekten: Diese reichen von einfachen Fragen, für die sich Schüler interessieren können, bis hin zu anspruchsvollen Problemen, die zur Entwicklung mathematischer Theorien Anlass geben.

Man schaue sich den abgebildeten Gitterausschnitt an: Startpunkt ist die linke untere Ecke des grünen Blocks, Zielpunkt ist die entsprechende Ecke des gelben Blocks. In den Planquadraten ist an jedem Punkt die Anzahl der kürzesten Wege notiert, die zu ihm vom Startpunkt aus führen:

1
5
15
35
70
126
1
4
10
20
35
56
1
3
6
10
15
21
1
2
3
4
5
6
1
1
1
1
1
1

Das Schema wird ausgehend vom Startpunkt schrittweise in Richtung Zielpunkt aufgebaut. Nach welcher Additionsregel? Wieso kommt dabei das Pascal-Dreieck heraus?

Natürlich ist hier auf das Geobrett hinzuweisen. Es lässt sich leicht aus einer kleinen Holztafel herstellen, in die man Nägel als Gitterpunkte einschlägt. Mit Gummibändern werden dann Punkte verbunden. Auf diese Weise lassen sich zahlreiche Aktivitäten durchführen und bemerkenswerte Einsichten gewinnen. Zum Unterrichtseinsatz des Geobretts vgl. etwa Steibl 1976.

Kombinatorische und geometrische Aspekte im Quadratgitter werden in Band 1 von Jeger 1973 behandelt. Der Kontext lässt sich auch für Übungen in der Bruchrechnung nutzen [vgl. Flachsmeyer 1999].

Wie in der gewöhnlichen (euklidischen) Geometrie gelangt man in der Gittergeometrie mit Hilfe von Abständen zu "Figuren" [vgl. Krause 1975]:

Abschließend sollen noch sogenannte diophantische Probleme angedeutet werden:

Diophantische Probleme können sich als überaus schwierig erweisen. Prominentestes Beispiel ist die berühmte (dreieinhalb Jahrhunderte alte) Fermatsche Vermutung, die erst Mitte der 90-er Jahre von Andrew Wiles endgültig entschieden wurde [vgl. Singh 1998].


 

Vielecksparkette

Eine Parkettierung ist eine lückenlose und überlappungsfreie Überdeckung der Ebene mit Teilen (Fliesen, Stücken, Platten, z.B. regelmäßige n-Ecke). Ein Vielecksparkett soll hier folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Alle Stücke sind regelmäßige Vielecke (Polygone).
  2. Ecken kommen stets an Ecken zu liegen.
  3. Um jede Ecke herum kommen dieselben Vielecksorten (in jeweils gleicher Anzahl) vor.

Das bekannteste Beispiel ist das Parkett aus Quadraten (4 Quadrate um eine Ecke). Ein Parkett, das wie dieses nur eine Sorte regelmäßiger Vielecke verwendet, nennt man platonisch. Man kann auch zwei Achtecke und ein Quadrat zusammenlegen und erhält das Beispiel eines sogenannten archimedischen Parketts. Die beiden Parkette werden wie folgt notiert: P(4 4 4 4) bzw. P(4 8 8).

Worin liegt die Bedeutung des Themas für den Unterricht?

Es folgt eine Sequenz von Aktivitäten und Fragen, die in den Kontext hineinführen:

Winkelbetrachtungen setzen voraus, dass man den Innenwinkel des regelmäßigen n-Ecks kennt. Er beträgt (1–2/n)·180º. Will man also etwa einen Eckenschluss mit jeweils einem Polygon der Eckenzahl m, n und r erreichen, so muss die Summe der zugehörigen Innenwinkel 360º betragen (Vollwinkel). Daraus ergibt sich die diophantische (in ganzen Zahlen m, n, r zu erfüllende) Bedingung:

parkglg.gif (1115 Byte)

Parkettierungen mit Dreiecken und Vierecken sind auch möglich, wenn man von diesen Figuren keinerlei Regelmäßigkeit verlangt. Vierecke müssen nicht einmal konvex sein:

Material A. Schreiber

Gestempeltes Parkett. Aneinanderliegende Vierecke gehen durch eine Halbdrehung (um den Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Seite) ineinander über.

Für elementare und unterrichtsbezogene Studien zum Thema Parkettierung vgl. Bender/Schreiber 1985 [S.123-139, Akzent: praktischer Gebrauch], Floer/Haarmann 1982, Floer 1988 [Akzent: Verzahnung von Geometrie und Kunst], Flachsmeyer/Feiste/Manteuffel 1990 [Akzent: Symmetrieeigenschaften, Gruppen]. In Klarner 1981 findet man locker und glänzend geschriebene Essays zu vielen Fragen der Parkettierung.

Das Thema Parkettierung wird in Kapitel 6 noch einmal aufgegriffen.


 

Ergänzende Materialien

Von den mancherlei Kontexten, die sich für entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht eignen, werden noch drei in gedrängter Form angedeutet und zur weiteren Vertiefung empfohlen:

Münzsätze
Der Umgang mit Geldbeträgen ist ein alltäglicher Handlungskontext, der das Verständnis von Zahlen fördert und umgekehrt von ihm profitiert. Mit Sätzen kleiner Münzen sollen Geldbeträge dargestellt werden.
  • Welche Beträge kann man legen?
  • Was erhält man mit 2 Münzen, mit 3 Münzen, usw.?
  • Wie zählt man zu gegebenem Münzsatz geschickt die damit möglichen Zusammenstellungen?
  • Mit welchem kleinsten Münzsatz lassen sich alle Beträge bis zu einer bestimmten Höhe darstellen?
  • Wieviel werden dabei im Durchschnitt benötigt?
  • Gibt es einen "besten" Münzsatz? Man vergleiche die deutschen Münzen mit ausländischen.

Vgl. Müller/Wittmann 1978 [S. 68-71] und die einschlägigen Artikel von H. Winter in Heft 22 von mathematik lehren (Juni 1987).




Billard

Billard ist ein zwar nutzloses, aber reizvolles Problemfeld für allerlei geometrische und arithmetische Aktivitäten. Auf einem m×n-Tisch wird eine Kugel aus einer Ecke in einem bestimmten Winkel gestoßen.

  • Wie verläuft ihre Bahn?
  • Wie oft reflektiert sie an einer Bande?
  • Landet sie irgendwann in einem Loch (Ecke)?

Stoßprobleme bestehen darin, die Punkte an einer oder mehreren Banden zu bestimmen, an denen eine Kugel reflektieren soll, um eine zweite zu treffen. Eine andere Aufgabensorte fragt nach periodischen Bahnen (wobei man auch die Tischform variieren kann, z.B. zum Dreieck, nicht-rechteckigen Viereck oder Kreis).

Vgl. Stowasser 1976 [S. 24-51].




Quadrate

Bei nur oberflächlicher Betrachtung scheint das Quadrat eine "langweilige" Figur zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. Man zeichne beide Diagonalen: Es entstehen vier gleiche rechtwinklige Dreiecke. Je zwei von ihnen bilden ein Quadrat, das halb so groß ist wie das ursprüngliche. Das ist schon ein einfacher Sonderfall des "Pythagoras". Er zeigt gleich mit, wie man ein Quadrat doppelten Flächeninhalts bestimmt. Eine Variante: Man beschreibe einem Quadrat Q ein kleineres Quadrat Q' ein (die Ecken von Q' liegen auf den Seiten von Q). Wie wird Q' am kleinsten? Wie groß ist dann Q'? Man setze die Schachtelung fort und zeichne Q" in Q', usw.– Vgl. dazu die hübsche Sequenz von Aufgaben und Zeichenspielen in Menninger 1960 [S. 22-43]

Man kann Quadrate zu Mehrlingen zusammenlegen (Seite an Seite). Beliebt ist das Aufsuchen aller Fünflinge (Pentominos), von denen es genau 12 gibt. Wie kann man sich davon überzeugen? Man erstelle einmal einen Stammbaum, der bei einem Quadrat beginnt, dann über Zwillinge, Drillinge usw. sich verzweigt. – Was kann man mit den Pentominos anfangen? Man untersuche ihre Form auf Symmetrie. Man lege mit einigen von ihnen Rechtecke aus. Man versuche, mit ihnen die ganze Ebene parkettieren (mit welchen geht das?).– Vgl. Müller/Wittmann 1978 [S. 71-76].

Ein schönes Analogon im Dreidimensionalen sind Würfelmehrlinge. Man überlege einmal, wieviel "Häuser" sich mit vier gleichen Würfeln auf einer Tischplatte (lose) zusammenlegen lassen.– Vgl. Freudenthal 1980 und Kroll/Kroll 1996.

Auf kariertem Papier wird ein 5×5-Quadrat gezeichnet; es hat 25 Einheitsquadrate. Wie viele Quadrate (mit Seiten auf den Gitterlinien) enthält es insgesamt? Wie viele sind es bei einem n×n-Quadrat?


Stand: 08.12.2001